Aus der Presseerklärung der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm e. V. zum Tschernobyl-Jahrestag:

Kundgebung zur Krebsstudie am 26. April vor dem THTR in Hamm!

Vor über drei Monaten ist die vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegebene Leukämiestudie veröffentlicht worden. Die Umgebung aller in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke wurde untersucht. – Nur nicht die Region des Reaktors mit den meisten Pannen und Störfällen innerhalb eines sehr kurzen Zeitraumes: Hamm und das Lippetal als Standort des Thorium-Hochtemperaturreaktors (THTR) sind bewusst ausgespart worden. Dies ist ein Skandal!

Die Nichtberücksichtigung des THTR in der Studie hat zu großer Unruhe und Empörung in der Bevölkerung geführt. Inzwischen fordern sogar der Rat von Lippetal und der Stadt Hamm eine Krebsstudie für diese Region. Zahlreiche Bürger haben in den letzten beiden Jahrzehnten eine steigende Anzahl von Krebsfällen in ihrer direkten Umgebung zur Kenntnis nehmen müssen. Bisher hat das Bundesumweltministerium weder auf Briefe der Bürgerinitiative Umweltschutz reagiert, noch eine Studie in der Umgebung des THTRs in Aussicht gestellt. Eine spezielle Untersuchung ist aber beim THTR besonders dringend geboten:

Die im THTR benutzten nuklearen Brennelente mit den PAC-Kleinstkügelchen sind möglicherweise die Gleichen, die bei einem kerntechnischen Experiment am 12. September 1986 in der Elbmarsch von der Gesellschaft zur Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt (GKSS) freigesetzt worden sind und die zur höchsten Leukämierate der Welt geführt haben. Diese Kleinstkügelchen enthalten Uran, Thorium und Plutonium, haben einen Durchmesser von weniger als einen halben Milimeter und sind mit dem Auge kaum noch sichtbar. Sie können mit Leichtigkeit vom Wind fortbewegt werden. Mehrere Zehntausend dieser Kügelchen befinden sich in einer großen THTR-Kugel.

Während der THTR-Betriebsdauer sind aufgrund technischer Probleme insgesamt 8.000 dieser großen Brennelemente zerstört worden. Da Filter gewechselt und Messgeräte während des Betriebes zeitweilig abgestellt worden sind, könnten diese radioaktiven Kleinstkügelchen unbemerkt durch den Wind weitergetragen worden sein.

Es gibt also mehr als genug Gründe dafür, die Hintergründe für den THTR-Störfall und die zahlreichen Sicherheitsprobleme des THTRs erneut aufzuarbeiten und verstärkt wachsam gegenüber möglichen Krebsfällen in dieser Region zu sein.

Aus einem zweiten Grund ist der THTR ein Tabu: Er ist der Prototyp für die Generation IV-Reaktoren, in die in den nächsten zwei Jahrzehnten weltweit der größte Anteil an nuklearen Forschungsgeldern gesteckt werden soll. Überdurchschittlich viele Krebstote in der Nähe des Prototyps der Reaktorlinie der Zukunft machen sich natürlich nicht so gut. Wer die Renaissance der Atomenergie in den nächsten Jahrzehnten effektiv verhindern will, sollte in langfristigen Dimensionen denken und heute schon danach handeln!

Hier in NRW wird die HTR-Linie durch die Landesregierung und die Energiekonzerne bereits wieder grosszügig gefördert — trotz „Atomausstieg“! Neue Professorenstellen und Forschungsprogramme führen über den kleinen Umweg der Europäischen Union zu einer intensiven Forschung an den Generation IV- Reaktoren in dieser Region. Einige Konzerne aus dem Ruhrgebiet (Uhde, EHR) sind an Vorbereitung und Bau des THTR in Südafrika beteiligt. Das alles passiert, obwohl die Folgen der Störfälle und Pannen im alten Prototyp THTR in Hamm noch nicht einmal gründlich wissenschaftlich aufgearbeitet worden sind!

Deswegen findet am Samstag, dem 26. April (Tschernobyljahrestag!) um 15 Uhr eine Kundgebung vor dem THTR in Hamm-Uentrop statt.

Treffpunkt ist vor dem Tor. So wie früher, als wir – auch durch unseren Widerstand – die Stilllegung des Pleitereaktors mitbewirkt hatten! Wir lassen Luftballons mit angehängten Postkarten steigen und beratschlagen, wie unsere nächsten Schritte aussehen werden.

Weitere Proteste und Veranstaltungen sind in Vorbereitung, hier der Fahrplan:

10. April 2008: Vorbereitungstreffen in Hamm für die Frühjahrskonferenz der bundesdeutschen Anti-Atombewegung in Ahaus (siehe unten) mit einem Zwischenbericht in Sachen THTR und Leukämiestudie.

17. April 2008: RWE-Aktionärsversammlung in Essen. Zusammen mit dem Dachverband der kritischen Aktionäre hat die BI Umweltschutz Hamm Reden und Anträge zur fehlenden Krebsstudie am THTR vorbereitet. Proteste sind angesagt.

26. April 2008: Tschernobyl-Jahrestag vor dem THTR in Hamm-Uentrop.

1. bis 4. Mai 2008: Auf der Frühjahrskonferenz der Anti-Atomkraftbewegung (mit Aktionswochenende, Camp und Konzert) in Ahaus wird natürlich auch in einem Beitrag die Situation am THTR thematisiert. Denn hier lagern ja mehrere hunderttausend nukleare Brennelemente des Hammer Pleitereaktors!

Weitere Infos: Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm, www.reaktorpleite.de

In den Ausgaben 119 und 120 des THTR-Rundbriefes ist eine umfassende Chronologie der Ereignisse zum Thema „Leukämiestudie und THTR“ zu finden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.