6. August Hiroshima-Tag

Hiroshima

Der den Tod auf Hiroshima warf
Ging ins Kloster, läutet die Glocken.
Der den Tod auf Hiroshima warf
Sprang vom Stuhl in die Schlinge, erwürgte sich.
Der den Tod auf Hiroshima warf
Fiel in Wahnsinn, wehrt Gespenster ab
Hunderttausend, die ihn angehen nächtlich
Auferstandene aus Staub für ihn.

Nichts von alledem ist wahr.
Erst vor kurzem sah ich ihn
Im Garten seines Hauses vor der Stadt.
Die Hecken waren noch jung und die Rosenbüsche zierlich.
Das wächst nicht so schnell, dass sich einer verbergen könnte
Im Wald des Vergessens. Gut zu sehen war
Das nackte Vorstadthaus, die junge Frau
Die neben ihm stand im Blumenkleid
Das kleine Mädchen an ihrer Hand
Der Knabe, der auf seinem Rücken saß
Und über seinem Kopf die Peitsche schwang.
Sehr gut erkennbar war er selbst
Vierbeinig auf dem Grasplatz, das Gesicht
Verzerrt von Lachen, weil der Photograph
Hinter der Hecke stand, das Auge der Welt

(Marie Luise Kaschnitz)

Ein Gedanke zu „6. August Hiroshima-Tag

  1. Danke für die Erinnerung. Wenn wir je den Schmerz und das Leid vergessen, das die Atombombe über die Menschheit gebracht haben, laufen wir Gefahr, dass die Geschichte sich wiederholt.
    Die Angst, die diese Waffen heute aktuell verursachen ist real. So zerstören sie heute unser Leben.
    Waffen sind nie zum Wohle der Gemeinschaft, sie dienen immer nur den Herrschenden.
    Solidarische Grüße von Vera

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