Geschlossene Heime abschaffen ?

Im Sonntaz-Streit vom 27./28. Juli geht’s um: Sollen Geschlossene Heime abgeschafft werden?

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Vielleicht ist die Frage falsch gestellt. Wie wäre es stattdessen, wenn wir uns nicht auf die äußere Form (geschlossene Türen) konzentrieren würden, sondern die Inhalte ändern würden:  Wenn die Heime ein Ort voller Respekt und Wertschätzung wären? Wenn Kinder und Jugendliche dort liebevollen Beistand und Unterstützung erfahren würden; wenn im Mittelpunkt der Pädagogik der Glaube an die Träume der Betroffenen stehen würde und das Vertrauen in ihre tiefen, vielleicht noch versteckten Fähigkeiten, diese Träume zu verwirklichen …
Vielleicht bräuchte es dann immer noch die Türen, aber dann um sich vor dem Ansturm zu schützen, weil Kinder und Jugendliche in Lebenskrisen dort Zuflucht suchen möchten.

Mit einer „Jugendhilfe-Einrichtung“, aus der Jugendliche fliehen wollen, anstatt dort Zuflucht zu suchen, scheint grundlegend etwas nicht zu stimmen.
Ich finde so eine Einrichtung verdient nicht einmal den Namen „Heim“.

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When God was a Rabbit

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„Later, as my mother entered my room to say good night, I sat up and said, ‘Nancy’s in love with you.’

‘And I’m in love with her.’
‘But what about Dad?’
She smiled. ‘I’m in love with him too.’
‘Oh. Is that allowed?’
She laughed and said, ‘For a child of the sixties, Elly . . .’
‘I know. Bit of a letdown.’
‘Never,’ she said. ‘Never. I love them differently, that’s all. I don’t sleep with Nancy.’
‘Oh God, I don’t need to know that.’
‘Yes you do. We play by our own rules, Elly, always have. That’s all we can do. For us it works.’
And she leant over and kissed me good night.“

Die Zeile „We play by our own rules…“ finde ich soooo sympathisch. Und wichtig. (Bin mir nicht sicher, ob sie damit nur sich und Nancy meint, oder ihre ganze Familie.)
Ich finde, wir sollten alle nach unseren eigenen Regeln spielen. Und wenn nötig, die Regeln immer wieder neu miteinander abgleichen und ggf. verhandeln.

Aus einem sehr berührendem Roman von  Sarah Winman. Feinfühlig beschriebene Charaktere und viele zauberhafte Erzählstränge.
Text hier leider nur auf Englisch, gibt’s aber auch auf Deutsch „Als Gott ein Kaninchen war„.

P.S.: Deutsche Übersetzung findet sich im Kommentar. Danke an Viola!

Steine auf dem Küchenbord


Eine schönes Büchlein fiel mir letztens mal wieder in die Hände: „Steine auf dem Küchenbord“, gesammelte Gedanken und Zitate von Astrid Lindgren:

„Es ist nicht leicht, ein Kind zu sein, las ich kürzlich in einer Zeitung, und ich war perplex, denn es passiert ja nicht jeden Tag, dass man etwas in der Zeitung liest, das wirklich wahr ist. Da spricht ein Revolutionär.“
Es ist nicht leicht, ein Kind zu sein, nein! Es ist schwer, sehr schwer. Was bedeutet es eigentlich, Kind sein? Es bedeutet, dass man zu Bett gehen, aufstehen, sich anziehen, essen, Zähne putzen und die Nase putzen muss, wann es den Großen passt und nicht einem selbst. 
Es bedeutet ferner, dass man ohne zu klagen die persönlichsten Bemerkungen von Seiten eines jeden Erwachsenen anhören muss, die das eigene Aussehen, den Gesundheitszustand, die Kleidung, die man trägt, und Zukunftsaussichten betreffen.
Ich habe mich oft gefragt, was passieren würde, wenn man die Großen in derselben Art behandeln würde.“

Ja, was würde passieren?
Obwohl – passiert nicht genau das tagtäglich? Die Arbeitszeiten sind vorgeschrieben, selbst wenn unser Biorhythmus uns zu anderen Zeiten viel produktiver sein ließe.
Wir ziehen die Kleidung an, die dem Dresscode entspricht, auch wenn sie uns gar nicht gefällt oder unbequem ist.
Wir gehen zu Parties oder Geschäftsessen, weil wir „soziale Verpflichtungen“ haben, anstatt mit den Menschen, zusammen zu sein, die wir wirklich mögen.

Bryan White hat es für mich auf den Punkt gebracht: „Wir werden gar nicht wirklich erwachsen. Wir lernen lediglich, wie wir uns in der Öffentlichkeit zu benehmen haben.“

Eigentlich traurig, oder nicht?

Alternativen?

Anmerkungen zur EU-Verfassung

Einige Anmerkungen zur aktuellen Debatte um die EU-Verfassung, die nicht ganz von der Hand zu weisen sind:

  • Eine Verfassung hat eher 30 als 3000 Seiten.
    Wenn 3000 Seiten gebraucht werden, ist es besser, keine Verfassung zu haben und so lange an anderen Dingen weiter zu arbeiten, bis man mit 30 Seiten hin kommt.
  • Eine Verfassung hat keine Ausnahmen.
    Wenn einzelne Gebiete Ausnahmen und Sonderregelungen brauchen, dann ist es besser, keine Verfassung zu haben und so lange an anderen Dingen weiter zu arbeiten, bis man ohne solche Ausnahmen hin kommt.
  • Eine Verfassung wird vom Volk beschlossen und getragen.
    Wenn absehbar ist, daß das Volk die Verfassung wegen ihrer Länge und Komplexität nicht verstehen kann und deswegen aus Prinzip ablehnen wird, ist der Verfassung kaputt und nicht das Volk.

Gefunden auf dem blog von Kristian Köhntopp

Das Tor zum Glück

Das offene Tor

Es gibt viele Wege zum Glück, doch nur ein einziges Tor, durch das wir schreiten können, um auf die verschiedenen Wege zu gelangen: Es ist das Tor zu unserem eigenen Inneren. Es gibt den Blick frei auf unser Hoffen, unsere Wünsche, unsere Freude und unsere Lust, aber auch auf unsere Angst zu versagen, auf Wut, Trauer und Zweifel. Dis alles ist ein Teil von uns. Wir lassen uns oft durch unsere Sinne verführen. Das, was wir on und über andere hören, was wir sehen und zu sehen bekommen, was wir riechen, schmecken, fühlen hat einen Einfluss darauf, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen und beurteilen.
Unsere Seele aber, dieser unfassbare, nicht materielle Teil in uns, gibt sich damit nicht zufrieden. Sie will mehr. Sie will den Dingen auf den Grund gehen. Sie glaubt den Werbebotschaften der schönen, perfekten Welt nicht. Sie widersteht dem Drang, alles mit einem strahlenden Lächeln meistern zu müssen: Familie, Karriere, die jährliche Steigerung der Gewinnerwartung, soziale Verpflichtungen, Optimierungsprozesse. Sie verspürt in sich Sehnsucht. Sie will wissen, was hinter dem schönen Schein liegt. Für sie ist Glück an keinerlei Zweck gebunden, sondern es ist eine allmähliche Vervollkommnung dessen, was in uns ist.

Aus: Wo das Glück zu Hause ist. Text Elke Bader, Bilder Thomas Kinkade

Frankfurt am Main: Aung So Mang*, eine junge Lehrerin, vor politischer Verfolgung aus Birma geflohen, landet auf dem Frankfurter Flughafen und beantragt Asyl. Kurz darauf hält sie die Entscheidung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in den Händen.
Der Wortlaut:

Birma zähle
„… zu den repressivsten Staaten weltweit. (…) Dies ist der Bevölkerung hinreichend bekannt. Vor diesem Hintergrund ist kaum anzunehmen, dass es die Antragstellerin gewagt haben sollte, sich auf einer offensichtlich nicht erlaubten Versammlung öffentlich derart in regimefeindlicher Weise zu äußern.“

Mit dieser Unterstellung wird das Asylgesuch der jungen Frau abgelehnt. Nun droht ihr die Abschiebung.

Für deutsche Beamte ist es anscheinend immer noch unvorstellbar, dass sich Menschen mutig für eine bessere, freie Gesellschaft einsetzen. Stattdessen projizieren sie ihre eigene Kleinmütigkeit auf diese Menschen, unterstellen Lüge und Betrug und liefern sie ihren Verfolgern aus. Tragisch für Verfolgten, die hier um Hilfe ersuchen. Aber auch „armes Deutschland“!

*Name zum Schutz der Betroffenen geändert
(Quelle: Info von ProAsyl)

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Wirtschaft wichtiger als Recht

Der stellvertretende Justizminister der USA, Thomas Bernett hat das Luxemburger Urteil gegen Microsoft kritisiert.

Das sei ihm nicht verübelt. Ich finde auch er hat ein Recht auf freie Meinungsäußerung. Sehr verwunderlich finde ich allerdings die Begründungen, die er als stellvertr. Justizminister (!) vorbringt: die Entscheidung beeinträchtige Innovationen und wirke abschreckend für den Wettbewerb.

Von einem Vertreter der Justizbehörde hätte ich rechtliche Überlegungen erwartet und keine wirtschaftlichen. Mir zeigt das, wo hier die Prioritäten liegen: Ob das Urteil gesetzeskonform ist, scheint gar nicht so wichtig, aber wenn die (eigene!) Wirtschaft beeinträchtigt sein könnte, dann hebt das große Jammern an.

Dezentrale Desorganisation

Ich bin ja grundsätzlich sehr skeptisch gegenüber zentralistischer Organisation. Aber manchmal denke ich, dass es doch auch so seine Vorzüge hätte …

Sandfrachter auf dem Rhein

Zwei Sandfrachter: Der eine fährt gen Norden, der andere mit gleicher Fracht gen Süden. Ob man das nicht hätte besser koordinieren können?!

(Fotografiert am Rhein, Höhe Köln-Porz)