6. August Hiroshima-Tag

Hiroshima

Der den Tod auf Hiroshima warf
Ging ins Kloster, läutet die Glocken.
Der den Tod auf Hiroshima warf
Sprang vom Stuhl in die Schlinge, erwürgte sich.
Der den Tod auf Hiroshima warf
Fiel in Wahnsinn, wehrt Gespenster ab
Hunderttausend, die ihn angehen nächtlich
Auferstandene aus Staub für ihn.

Nichts von alledem ist wahr.
Erst vor kurzem sah ich ihn
Im Garten seines Hauses vor der Stadt.
Die Hecken waren noch jung und die Rosenbüsche zierlich.
Das wächst nicht so schnell, dass sich einer verbergen könnte
Im Wald des Vergessens. Gut zu sehen war
Das nackte Vorstadthaus, die junge Frau
Die neben ihm stand im Blumenkleid
Das kleine Mädchen an ihrer Hand
Der Knabe, der auf seinem Rücken saß
Und über seinem Kopf die Peitsche schwang.
Sehr gut erkennbar war er selbst
Vierbeinig auf dem Grasplatz, das Gesicht
Verzerrt von Lachen, weil der Photograph
Hinter der Hecke stand, das Auge der Welt

(Marie Luise Kaschnitz)

Variationen zu Clausewitz …

Zitat


(gesehen in einem Souvenierladen in Süditalien)

… ähnlich unüberlegt (v. Michael Steiner)

A
autobahn
ist
die fortsetzung
des gehwegs
mit anderen
verkehrsmitteln

industriepark
ist
die fortsetzung
des gartens
mit anderen
geldmitteln

aldi
ist
die fortsetzung
des feinkostladens
mit anderen
druckmitteln

B
krieg
ist
die fortsetzung
des schützenfestes
mit anderen
zielen

krieg
ist
die fortsetzung
des friedens
mit anderen
waffen

fortsetzung
folgt

gefunden in Soziale Verteidigung, Zeitschrift des Bundes für Soziale Verteidigung, BSV

Download des Rundbriefs (pdf-Datei, 4MB)