… you’ll not have my hatred

Eine beeindruckende Botschaft von Antoine Leiris nach den Terroranschlägen von Paris. Seine Frau, die Mutter seines kleinen Sohnes, starb beim Massaker im Bataclan:
„… Ich werde euch nicht das Geschenk machen, euch zu hassen. … Würde ich euren Hass mit Wut beantworten, würde ich der gleichen Dummheit erliegen, die euch zu dem gemacht hat, was ihr seid. … Ihr wollt mir Angst machen. Ihr wollt, dass ich meine Mitmenschen misstrauisch beäuge und ihr wollt, dass ich meine Freiheit der Sicherheit opfere. … Wir sind nur zwei, mein Sohn und ich, aber wir sind mächtiger als alle Armeen dieser Welt. … Jeden Tag seines Lebens, wird dieser kleine Junge euch mit seiner Fröhlichkeit und seiner Freiheit beleidigen. Denn auch seinen Hass werdet ihr nicht ernten können.“
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Loving kindness

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Ich habe immer wieder mich gefragt, wann dieser Wechsel wohl passiert, dass die Güte, die wir kultiviert haben, beginnt, nun uns zu kultivieren. Heute denke ich, dass dies bereits beim ersten Akt der Güte beginnt. Es ist vielleicht ähnlich dem langsamen Wachsen eines Baumes: Beim ersten Mal legen wir das Samenkorn in die Erde und mit jedem weiteren Akt der Güte stärken wir sein Wachstum. Zuerst mag der Spross empfindlich sein und noch Schutz brauchen, aber dann werden Wurzeln und Stamm stärker und sie können in Wind und Wetter bestehen. Irgendwann kommt die erste Blütezeit, an der wir uns erfreuen und bald darauf nährt er uns – oder unsere Nachkommen – mit seinen Früchten.
Aber es sind nicht erst die Blüten und die Früchte, die uns für unsere Mühe belohnen. Der wahre Lohn zahlt sich bereits in dem Moment aus, in dem wir das Samenkorn in die Erde legen, da wir hier unsere Identität verändern.

Die drei Siebe

SiebeSokrates wurde einst von einem Bekannten aufgesucht:
„Höre, Sokrates, ich muss dir erzählen, wie dein Freund….“
„Stopp, stopp“, unterbricht ihn der Philosoph. „Hast du zuvor das, was du mir sagen willst, mit den drei Siebe gefiltert?“
„Drei Siebe? Was meinst Du damit?“, fragt der andere verwundert.
„Ja, drei Siebe! Das erste ist das Sieb der Wahrheit:
Hast du geprüft, ob das, was du mir erzählen willst, tatsächlich wahr ist?“
„Nein, ich hörte es erzählen, und…“
„Nun, so hast du aber sicher mit dem zweiten Sieb, dem Sieb der Güte, geprüft: Ist das, was du mir berichten willst – wenn es schon nicht wahr ist – wenigstens gut?“
Der andere zögert. „Nein, das ist es eigentlich nicht. Im Gegenteil…..“
„Nun“, unterbricht ihn Sokrates. „so wollen wir noch das dritte Sieb der Notwendigkeit nehmen und uns fragen, ob es wirklich wichtig ist, mir das zu erzählen, was dich so zu erregen scheint.“
„Also notwendig gerade nicht unbedingt….“
„Nun denn“, lächelt der Weise, „wenn das, was du mir eben sagen wolltest, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so begraben es bitte und belaste weder dich noch mich damit.“

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Vom Geben und Nehmen

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Vor langer Zeit, als die Dinge dieser Welt sich ihres Wesens noch bewusst waren, wandte sich der Nil, der größte Strom Afrikas an Gaia, die Urgöttin und Erdenmutter. Er, der längste Fluss der Erde, war sich seiner Mächtigkeit bewusst und er beklagte sich bei ihr: „Die Welt ist undankbar. Schau, was ich seit Jahrtausenden zuwege bringe: Ich nähre das Land mit meinen jährlichen Überschwemmungen. Sieh dir mein riesiges Delta an und welche Fruchtbarkeit und Pracht ich erschaffe. Ohne mich wäre dort nur Wüste und öde Landschaft. Seit Anbeginn der Zeit haben die Menschen an meinen Ufern gesiedelt und Hochkulturen errichtet. Und doch erhalte ich nie ein Wort des Dankes für all mein Wasser mit dem ich die Menschen, die Tiere und den Boden ernähre.“

„Ja, das ist wohl war“, sprach Gaia mit gütiger Stimme. „Ich sehe, die Früchte deines ständigen Strömens sind in der Tat grenzenlos. Kaum jemand vermag solche Fruchtbarkeit hervorzubringen, wie du.“

Der Nil freute sich über die Anerkennung, die Gaia ihm entgegenbrachte, aber sie war noch nicht zu Ende mit ihrer Rede. „Ich verstehe, dass es bitter ist, nie Dank zu erhalten, aber – wie steht es mit deiner Dankbarkeit?“

Der Nil schaute überrascht.

„Hast du dich je, „fuhr Gaia fort, „bei deinen Zuflüssen bedankt, die dich ständig nähren? Bei den Seen, die hoch oben im Lande das Regenwasser sammeln und an dich weitergeben? Bist du dir deiner Quellen bewusst, ohne die du nie so großzügig schenken könntest? Wie ein Baumstamm bist du, groß und stark, und wie bei Dir entspringen aus einem Baum Äste, die sich wieder verzweigen und die Blüten und Früchte hervor bringen. Aber all eure Größe beruht auf der Stärke eurer Wurzeln, die unerkannt im Verborgenen ruhen und euch täglich nähren. Nichts wäre der Baum, ohne den Wind, der ihm Nahrung bringt und auch du könntest nicht existieren, wenn Regen und Quellen dich nicht täglich nähren würden.“

Der Nil hörte stumm Gaias Rede und seine Selbstgerechtigkeit und Verbitterung wich einer Nachdenklichkeit und Beschämung.

Gaia sah, dass seine Stimmung sich wandelte. „Gräme dich nicht, dass du dich bisher so wenig dankbar gegenüber deinen Wurzeln gezeigt hast,“ beruhigte ihn Gaia. „So ist der Lauf der Welt und der Dinge. Wir schauen alle eher nach vorn als zurück. Aber lass diese Erkenntnis dir zum Trost gereichen, dass auch die, für die du dich unablässig und so großzügig verströmst, dir so wenig danken. Ebenso wie du schauen sie eher auf das, was sie bewirken, als auf das, was sie dabei nährt. Und doch sind wir alle ein einziger großer Organismus, ein einziges, vielfältiges Wesen, und jedes kleinste Teilchen trägt das seine dazu bei, dass wir leben und gedeihen. Also ströme weiter und sei dir gewiss, dass ich deine Geschenke sehe und ehre und achte.“                                                        (miro)

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Geschlossene Heime abschaffen ?

Im Sonntaz-Streit vom 27./28. Juli geht’s um: Sollen Geschlossene Heime abgeschafft werden?

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Vielleicht ist die Frage falsch gestellt. Wie wäre es stattdessen, wenn wir uns nicht auf die äußere Form (geschlossene Türen) konzentrieren würden, sondern die Inhalte ändern würden:  Wenn die Heime ein Ort voller Respekt und Wertschätzung wären? Wenn Kinder und Jugendliche dort liebevollen Beistand und Unterstützung erfahren würden; wenn im Mittelpunkt der Pädagogik der Glaube an die Träume der Betroffenen stehen würde und das Vertrauen in ihre tiefen, vielleicht noch versteckten Fähigkeiten, diese Träume zu verwirklichen …
Vielleicht bräuchte es dann immer noch die Türen, aber dann um sich vor dem Ansturm zu schützen, weil Kinder und Jugendliche in Lebenskrisen dort Zuflucht suchen möchten.

Mit einer „Jugendhilfe-Einrichtung“, aus der Jugendliche fliehen wollen, anstatt dort Zuflucht zu suchen, scheint grundlegend etwas nicht zu stimmen.
Ich finde so eine Einrichtung verdient nicht einmal den Namen „Heim“.

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Tut nicht gut, Lakota

Indianer_ernest-blumenscheinDie Geschichte vom Umgang mit einem jungen Tunichtgut in der Kultur der Lakota

Das Volk der Lakota in New Mexico hatte einen jungen Tunichtgut. Er wurde gesehen, wie er Autos und Lastwagen auf dem Parkplatz beschädigte. Befragte man ihn darüber, wurde er ausfällig und abweisend gegenüber den Erwachsenen.
Nun wird der ganze Clan an einem Abend zusammengerufen und formt einen großen Kreis. Der Vater des Jungen schreitet mit ihm in die Mitte des Kreises und schließt sich dann wieder den anderen Erwachsenen an. Dann beginnt der Vater als erster zu sprechen.
„Du bist unser Erstgeborener, unser Meistgeliebter. Deine Mutter und ich haben uns gefreut, als wir das erste Mal deine Bewegungen im Mutterleib spürten. Wir rannten von Haus zu Haus und erzählten den Leuten, dass du am Leben warst, gesund und stark warst. Und so bist du auch gewesen. Nach der Geburt hast du einen so lauten Schrei ausgestoßen, dass man ihn trotz laufendem Radio dreihundert Meter weit gehört hat. Wie waren wir stolz! Wie waren wir glücklich! Du hast uns immer glücklich gemacht. Deine ersten Schritte – oh, wie du in die Pfütze gefallen bist. Der Ausdruck auf deinem Gesicht! Wie haben wir gelacht….“
Und der Vater erzählt immer weiter die schönsten Erinnerungen aus dem Leben seines Sohnes. Kein Wort der Kritik wird geäußert. Die Aufgabe des Vaters besteht darin, den jungen Mann daran zu erinnern, was er seiner Familie, seinem Clan, seinem Volk bedeutet; ihn zu erinnern an all die Freude und das Glück, das er verbreitete; an die Freude, die seine große Familie an ihm hat.
Als der Vater fertig ist, fährt der Onkel weiter. Darauf folgen die beiden Großväter. Der Himmel wird dunkler, die Sterne sind klar zu sehen. Es wird lange nach Mitternacht sein, wenn alle ihre Geschichten erzählt haben werden. Nach den Männern sprechen die Frauen in freundlichen Worten und weichem Tonfall; die meiste Arbeit ist auf sie gefallen, von den ersten Wehen bis zum Sparen für seine Schulbücher.
Zum Schluss redet der Häuptling. Er fasst all das bisher Gesagte zusammen. Er spricht langsam, mit langen Pausen, wie wenn er den besten Weg für die Erzählung suchen würde. Sein Thema, von dem er nie abweicht, ist das gleiche: der Stolz und die Freude, welcher dieser junge Mann dem Volk der Lakota gebracht hat; den Lebenden, den Verstorbenen und den noch nicht Geborenen. Wie alle früheren Sprecher und Sprecherinnen erwähnt er nie den Vandalismus und die böswilligen Zerstörungen, die Schande, den Ärger, die Sinnlosigkeit, die Gedankenlosigkeit. All das bleibt ungesagt und wird auch nicht angedeutet. Alle Aussagen drehen sich um das gleiche, nämlich darum, dass dieser junge Mann ein wunderbares Geschenk für alle Leute ist, eines von unschätzbarem Wert.
Nachdem der alte Mann seine Rede beendet hat, gibt er ein klares Zeichen. Der Kreis der Leute steht still, und alle schauen mit großer Aufmerksamkeit auf den jungen Mann in der Mitte des Kreises. Dann verschwinden sie wortlos in der Dunkelheit der Nacht.

Quelle: Locating the Energy for Change. An Introduction to Appreciative Inquiry, Charles Eliott, International Institute for Soustainable Development, Winnipeg, Maitoba (Canada) ISBN 1-895536-15-4

 

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Der Sternwerfer

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Die Flut hatte in der Nacht Tausende von Seesternen an den Strand gespült. Eiseley sah einen Jungen im Sand knien, der einen Seestern nach dem anderen aufsammelte, um ihn dann ins Meer zurück zu werfen.

Nachdem er dem Jungen einige Minuten zugeschaut hatte, fragte Eiseley ihn, was er da tue.
Der Junge richtete sich auf und antwortete:
„Ich werfe Seesterne ins Meer zurück. Es ist Ebbe und die Sonne brennt herunter. Wenn ich das nicht tue, dann sterben sie.“ 


Eiseley schaute verwundert, um dem Jungen dann klar zu machen, dass seine Aktivität fruchtlos war, und antwortete: 
„Aber junger Mann, ist Dir eigentlich klar, dass hier Kilometer um Kilometer Strand ist? Überall liegen Seesterne herum. Die kannst Du unmöglich alle retten, das hat doch keinen Sinn.“
Der Junge hörte höflich zu, bückte sich, nahm einen weiteren Seestern auf, warf ihn ins Meer zurück, lächelte und sagte: 

„Aber für diesen hat es einen Sinn.“

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In seinem Buch „The Star Thrower“ beschreibt Loren Corey Eiseley, ein literarischer Naturwissenschaftler, wie er eines Morgens am Strand spazieren ging und eine Beobachtung machte, die sein Leben verändert.

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