Die erste Morgenstunde

Vor einiger Zeit bin ich auf ein Buch gestoßen, das ich seitdem selber nutze und auch schon mehreren meiner Klient*innen empfohlen habe, die zu mir in die Therapie oder ins Coaching kommen: Das 6-Minuten-Tagebuch. Es ist ein Arbeitsbuch und wer bereit ist, damit zu arbeiten, darf darauf vertrauen, dass sich Lebensgefühl und Lebensperspektive Schritt für Schritt verändern.

Auf den ersten 70 Seiten des Buches werden Grundlagen der Positiven Psychologie beschrieben, es wird erklärt, wie das Buch genutzt werden kann und welchen wissenschaftlichen Hintergrund die einzelnen Schritte haben. Wer in die Theorie tiefer einsteigen will, erhält mit den ca. 50 Anmerkungen im Anhang Verweise auf Fachbücher, Studien und wissenschaftliche Artikel. Mittlerweile gibt es ja zum Glück eine recht umfassende Forschung zur Positiven Psychologie.

Der Hauptteil des Buches, das eigentliche Tagebuch, besteht aus jeweils 1-seitigen, gut strukturierten Anregungen für eine tägliche kurze Morgen- und Abendroutine zur Selbstreflexion. (Umfang in diesem Buch für ca. 20 Wochen)

Es mag kritisiert werden, dass diese Seiten immerzu gleich sind, aber ich halte es für eine gute Idee, über die regelmäßige Wiederholung der 6 Themengebiete (drei davon morgens, drei am Abend) diese Perspektive „einzuschleifen“:

Morgens:

  • Drei Dinge für die ich dankbar bin …
  • Was würde den heutigen Tag wundervoll machen?
  • Eine positive Selbstbestärkung

Abends:

  • Was habe ich heute Gutes für jemanden getan?
  • Was werde ich morgen besser machen?
  • Drei tolle Dinge, die ich heute erlebt habe.

Die Rückmeldungen meiner Klient*innen, sind durchweg positiv. Die Themen, auf die sich dieses Buch richtet, sind dabei nicht besonders neu oder anders, der Mehrwert besteht jedoch darin, das die „6-Minuten“-Suggestion dazu beiträgt, wirklich eine tägliche Routine zu entwickeln und damit den Fokus unserer Wahrnehmung und Aufmerksamkeit bewusst zu gestalten.

Zugegeben: Mir reichen die vorgegebenen 2 mal 3 Minuten selten aus. Aber auch wenn es 2 mal 10 Minuten sind – der Einsatz lohnt sich. Wir putzen uns täglich die Zähne, wir bürsten unser Haar und waschen unseren Körper. Warum nur verwenden wir so selten und so wenig Zeit auf unsere emotionale, mentale und seelische Hygiene?

Die Morgen- und Abendroutinen dieses Buchs erinnern mich und meine Klient*innen daran, uns ebenso regelmäßig Zeit für diese Selbstpflege und Selbstbestärkung zu nehmen.

Danke für dieses Buch. Es ist ein wertvolles Hilfsmittel zu mehr Selbstbewusstsein und Lebensfreude.

Wege entstehen

Wege_gehenIn der Nähe der Universität war eine neue Wohnanlage für die Studierenden erbaut worden. Die Häuser waren bezugsfertig, die Wiesen angelegt, was noch fehlte, waren gepflasterte Wege zwischen den Häusern und zu den Bibliotheken und Lehrgebäuden.
Als die Architektin von den Arbeitern nach den Plänen für die Wege gefragt wurde, bat sie um Geduld: „Lasst uns das in ein paar Wochen entscheiden“, sagte sie.
Nach 3 Monaten machten sie einen Ortstermin und stellen fest, dass sich bereits Trampelpfade zwischen den Häusern und den anderen Gebäuden gebildet hatten.
„Hier können wir deutlich sehen, welche Wege gebraucht werden“, sagte die Architektin. „Diese Wege können Sie jetzt befestigen.“

Loving kindness

Loving Kindness2
Ich habe mich immer wieder gefragt, wann dieser Wechsel wohl passiert, dass die Güte, die wir kultiviert haben, beginnt, nun uns zu kultivieren. Heute denke ich, dass dies bereits beim ersten Akt der Güte beginnt. Es ist vielleicht ähnlich dem langsamen Wachsen eines Baumes: Beim ersten Mal legen wir das Samenkorn in die Erde und mit jedem weiteren Akt der Güte stärken wir sein Wachstum. Zuerst mag der Spross empfindlich sein und noch Schutz brauchen, aber dann werden Wurzeln und Stamm stärker und sie können in Wind und Wetter bestehen. Irgendwann kommt die erste Blütezeit, an der wir uns erfreuen und bald darauf nährt er uns – oder unsere Nachkommen – mit seinen Früchten.
Aber es sind nicht erst die Blüten und die Früchte, die uns für unsere Mühe belohnen. Der wahre Lohn zahlt sich bereits in dem Moment aus, in dem wir das Samenkorn in die Erde legen, da wir hier unsere Identität verändern.